TV Staad 1906-1956

Protokoll der Gründungsversammlung des STV Staad zum downloaden (282kB)
Protokoll der 1. Hauptversammlung zum downloaden (506kB)

Am 11.Juli 1906 versammelte sich ein Trüpplein von Turnerfreunden zum ersten Male im Saale des Gasthauses zur "Brauerei" mit der Absicht, einen Turnverein zu gründen. Diese Absicht erregte im Dorf ein nicht geringes Aufsehen und man vernahm manch geringschätzige Aeusserungen. Trotzdem fanden sich an dieser Versammlung einige wohlgesinnte Einwohner ein und mit ihrer Unterstützung wurde der Turnverein mit 15 Aktiv- und 10 Passivmitgliedern ins Leben gerufen.

Die erste fünfköpfige Kommission setzte sich wie folgt zusammen:
Roman Vollath, Präsident
Gustav Lütolf, Oberturner
Paul Mariacher, Aktuar
Karl Dudler, Kassier
Ulrich Litscher, Zeugwart

Als Beisitzer wählte die Versammlung Jakob Tobler. Sein Vater, der Seilermeister Tobler, krönte die Gründungsversammlung mit der Spende von zwei grossen Bierhumpen.

In finanzieller Hinsicht wurde folgendes beschlossen:
Fr. 1.-- Monatsgeld für Aktivmitglieder
Fr. -.50 Monatsgeld für Passivmitglieder
Fr. 2.-- Eintrittsgeld
Fr. 3.-- Austrittsgeld

Ferner für Nichterscheinen an Turnstunden und Versammlungen eine Busse von 50 Rappen, für Verspätung 20 Rappen.

Geturnt wurde vorerst im Kellergeschoss des katholischen Schulhauses Risegg, wo die Turner in mühsamer Arbeit zuerst einenvernachlässigten Raum instandstellen mussten. Diese "Turnhalle" konnte nur kurze Zeit benützt werden, da die Turner von den Ortsbehörden ziehmlich unerwünscht waren. Für kurze Zeit fanden die Turner eine Turngelegenheit im Sternensaal in der Speck. Da es auch dort nicht problemlos klappte, fanden die Turner eine Bleibe beim "Rössli"-Besitzer und Turnerfreund Eckli, in der Scheune seiner Liegenschaft.

Im Mai 1907 führte der Verein seine erste ganztägige Turnfahrt durch und zwar zu Fuss nach Heiden - St.Anton - Altstätten - Rheineck, über Thal nach Staad. Als am Abend der Heimkehr der Tambour trommelrührend seine stramme Schar durchs Dorf führte, sollen sich einige feindlich gesinnte Einwohner etwas freundlicher über den Turnverein ausgesprochen haben.

Im Juli gleichen Jahres erfolgte die Aufnahme in den Kantonalturnverband. Somit gehörte die Sektion auch dem eidgenössischen Turnverbande an.

Im Herbst 1907 gelangte im vollbesetzten Brauereisaale die erste Abendunterhaltung zur Durchführung. Diesen erfolgreichen öffentlichen Vorführungen war der erfreuliche Zuwachs an Turnern zu verdanken. Im Februar 1908 zählte der Verein nämlich bereits 20 Aktiv- und 45 Passivmitglieder.

Die Sektion Staad wurde 1908 Mitglied des rheintalisch-oberländischen Bezirksturnverbandes.

Im Jahre 1909 wurde mit freiwilligen Spenden der Einwohner als auch der Turner selbst unsere erste Vereinsfahne angeschafft. Die Weihe erfolgte in Verbindung mit dem in Staad durchgeführten rheintalisch-vorarlbergischen Schlussturnfest auf dem Grüebli. Der Stadtturnverein Rorschach zeichnete als Patensektion.

Im Juli 1911 holte sich der Verein am kantonalen Turnfest in Rapperswil den Lorbeerkranz mit 136.90 Punkten und wurde von der ganzen Bevölkerung begeistert empfangen.

In den Folgejahren entwickelte sich die Mitgliederzahl positiv bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges. 1916 zählte der Verein noch 8 Aktive, da alle übrigen Turner im Dienste des Vaterlandes standen.

Die Staader besuchten 1920 das Kant. Turnfest in Walenstadt. Mit einem kleinen Trüpplein wurde der Turnverein Staad am schönen Fest in Walenstadt vertreten. Unsere Sektion holte in der 4 Kategorie unter 27 Sektionen den 13. Lorbeerkranz und im Einzelturnen 2 Kränze. Im Jahre 1921 ergriff der Aktivverein die Initiative zur Gründung der Männerriege. Als verantwortlicher Leiter zeichnete Traugott Schmuckli als Präsident und Andreas Gasenzer als Oberturner.

Unter der Leitung von Oberturner Jacques Erismann besuchte der Verein 1921 das Bezirksturnfest in Berneck (140.98 Punkte), sowie 1922 das Eidg. Turnfest in St.Gallen (140.25 Punkte).


Die Staader in Aktion in St.Gallen 1922

Im Jahre 1923 gings ans Kant. Turnfest in Wil, wo die Staader auch mit Einzelturnern vertreten waren.


Impressionen vom Kant. Turnfest in Wil 1923

Als weiteren Höhepunkt unter der Leitung von Jacques Erismann ist die Teilnahme am Eidg. Turnfest in Genf 1925 zu erwähnen. An diesem Anlass wurde dem Verein auch ein Kranz für den dreijährigen erfolgreichen Turnfahrtenwettkampf überreicht.

Die Jahre der Wirtschaftskrise zogen auch unseren Verein wieder stark in Mitleidenschaft. Die Mitgliederzahl bewegte sich immer zwischen 8 und 15 Mann, doch die im Jahre 1921 gegründete Männerriege war immer bereit dem Verein seine tatkräftige Unterstützung zukommen zu lassen. Im Jahre 1927 fand in Rorschach das Kant. Turnfest statt. Die Staader bekamen nicht das gewünschte "Laub" sondern nur einen Eichelkranz.

Für den Nachwuchs im Verein sorgt die im Jahre 1933 gegründete Jugendriege. Es stellten sich gleich 15 Knaben unter das Kommando von Aktivturner Ernst Geisser, der die Leitung aus beruflichen Gründen nur ein Jahr inne hatte. Während sieben Jahren nahm dann Arnold Matter die Knabenriege in Obhut.

Einige Zeit war das Oberturneramt schlecht bestellt und eine Umstellung in der Vereinsleitung brachte den erhofften Erfolg. Andreas Gasenzer übernahm das Amt des Oberturners und trat das Präsidium an Oswald Schläpfer ab. Somit war die Grundlage zu neuem Auftrieb und zu neuem Blühen geschaffen.

An den Abendunterhaltungen wirkten immer einige tanzkundige Damen mit, ohne aber dem Turnverein anzugehören, bis dann im Jahre 1934 die Damenriege gegründet wurde.

Am Kantonalturnfest in Rapperswil im Jahre 1935 konnte der Verein dann auch nach 10 jährigem Unterbruch wieder einen Lorbeerkranz an die Fahne heften (140.49 Punkte).

1936 stand das Eidg. Turnfest in Witerthur bevor. Zu dieser Zeit stand der Aktivverein im Sektionsturnen auf hoher Stufe. Viermal in der Woche kamen die Turner zusammen, um sich noch zu verbessern. Der Erfolg blieb nicht aus, denn in Winterthur wurde der Verein mit noch nie erreichten 143.10 Punkten belohnt.

Im Herbst 1937 musste Andreas Gasenzer das Oberturneramt aus gesundheitlichen Gründen abtreten. Als Nachfolger wurde Arnold Matter bestimmt, der das Amt bis 1952, also genau 15 Jahre, pflichtbewusst betreute.

Das für 1940 vorgesehene Eidg. Turnfest in Bern musste wegen Kriegsbeginn verschoben werden. Zum zweiten Male in der Geschichte des Turnvereins vertauschten die meisten Aktiven das Turnkleid mit dem Wehrkleide. Doch der Turnbetrieb wurde auch diesmal aufrechterhalten.

1942 organisierte der Turnverein Staad den Rheintal-Oberländischen Verbandsturntag. Lebhafte Diskussion ergab die Festabrechnung, die im Verhältnis zum Massenbesuch etwas kärglich ausfiel. An diesem Fest konnten die aus dem Turnverein Staad hervorgegangenen Kunstturner Emil Studer und Jakob Reinert ihr können unter Beweis stellen. Speziell der Sohn unseres Ehrenmitgliedes Studer hat von seinem Vater die turnerischen Fähigkeiten überommen und durfte ein paar Jahre später zu den Besten im ganzen Lande gezählt werden. Den Höhepunkt seiner turnerischen Laufbahn erreichte er, als er 1948 der olympischen Kunstturnerequippe angehörte.

An dem von Auswahlsektionen bestrittenen kantonalen Jubiläumstag 1942 in St.Gallen konnte unsere Sektion auch mitmachen. Mit 24 Mann wurde sie mit 142.86 Punkten taxiert. Ein Jahr später holten sich die Staader mit 141.89 Punkten wiederum den Loorbeerkranz am Kant. Turnfest in Vilters.

Im Sommer 1945 konnte die erste Turnstunde der frisch ins Leben gerufene Mädchenriege abgehalten werden. Fräulein Dora Studer zeichnete für eine gute pädagogische Leitung der Riege, der gleich zu Beginn schon 20 Mädchen angehörten.

Das kant. Turnfest 1946 in Buchs wurde bei strömendem Regen durchgeführt. Die Staader mussten sich daher auch mit einem mittelmässigen Platz begnügen. Die Abendunterhaltung unter dem Motto "40 Jahre Turnverein Staad" war auf der ganzen Linie ein grosser Publikumserfolg.


Der Turnverein Staad am Eidg. Turnfest 1947 in Bern

Das Vereinsjahr 1947 stand im Zeichen des 62. Eidg. Turnfestes in Bern. Die Staader waren dank dem unermüdlichen Oberturner Noldi Matter ganz besonders gut vorbereitet. Zuversichtlich stiegen sie in Bern in den Wettkampf. Sie turnten sich dann ein noch nie erreichtes Resultat von 144.00 Punkten heraus, wofür sie in Staad von der ganzen Bevölkerung aufs herzlichste empfangen wurden.

Im Jahre 1947 ging die Abendunterhaltung zum letzten Male im Brauereisaale in Szene. Wo wird sie das nächste Mal sein? Dies beschäftigte die Kommission zur Hauptsache im folgenden Jahr. Es wurde dann mit Erfolg ein Sommernachtsfest im Seegarten des Gasthauses Löwen durchgeführt. Viel schlimmer war 1949 die Kunde vom Abbruch des Restaurants zum Schiffli, womit auch die Turnhalle verschwinden musste. Diese wurde uns von Ehrenmitglied Jakob Bischof während 30 Jahren kostenlos zur Verfügung gestellt. Von den beisen Möglichkeiten, Kath. Schulhaus Buchen und Turnhalle im Hotel Waldau, konnte man sich mit der Waldaudirektion einigen, die Turnhalle für einen jährlichen Zins von Fr.200.-- zu benützen.

1950 nahm der Turnverein Staad am kant. Turnfest in Wil teil. Leider musste trotz allen Anstrengungen des Turnvereins in diesem Jahr die Mädchenriege aufgehoben werden. An der Leitung fehlte es nicht, sie war immer da, aber wo blieben die turnfreudigen Mädchen?

Im Jahre 1951 führte Noldi Matter seine Turnerschar an das Eidg. Turnfest in Lausanne. Das Nasskalte Wetter war nicht sehr einladend, im leichten Turnerdress in den Wettkampf zu steigen. Trotzdem erledigten die Staader Turner ihrer Aufgabe befriedigend (142.77).

Im Jahre 1952 wurde dem Turnverein Staad die Turnhalle in der Waldau aus fadenscheinigen Gründen gekündigt, womit der Verein neuerdings auf der Strasse stand. Behelfsmässig konnten wir gegen eine Jahresmiete von Fr.150.-- im katholischen Schulhaus Buchen (Risegg) weiterturnen. Doch der Turnbetrieb musste stark eingeschränkt werden, denn für eine Reck- umd Ringanlage genügten die vorhandenen Raumverhältnisse nicht.

Trotz den etwas misslichen Turnverhältnissen beteiligten sich die Staader 1953 am Bezirksturnfest in Balgach.

1954 gings ans Kant. Turnfest in Widnau, wo der Turnverein Staad mit 142.60 Punkten abschloss. Es sei dabei bemerkt, dass der Wettkampf bei strömendem Regen und sehr weichem Terrain abgehalten wurde.


Die Turner aus Staad am ETF in Zürich 1955
von links nach rechts vordere Reihe: Bucher Ernst, Koller Hans, Wiedmann Karl, Fehr Bernhard
mittlere Reihe: Tobler Hansruedi, Welti Hansruedi (verdeckt), Freuder Albrecht, Koller Emil
hintere Reihe: Fischer Ernst, Fanchini Franco, Tobler Erich, Venzago Robert

Die glanzvolle Krönung in der bald 50 jährigen Geschichte des Turnvereins war unbestritten 1955 das 64. Eidg. Turnfest in Zürich. Die Finanzierung war für diesmal kein Problem, denn die Altpapiersammlung im Frühjahr ergab den hübschen Reinertrag von Fr.710.--. Obwohl am Donnerstag die unglaublichen Regengüsse den Festplatz in ein einziges Schwimmbad verwandelten, erlebten wir Freitag, Samstag und Sonntag drei wundervolle Tage in Zürich. Mit guten 142.69 Punkten kam der Verein in Staad an, wo die gesamte Dorfbevölkerung einen überaus netten Empfang bereitete.

Nebenstehend ist das älteste Signet, das in den Unterlagen erscheint, unter dem der Turnverein Staad Papierverkehr betreibt.

50 Jahr Jubiläum TV Staad 1956

TV Staad 1957-1981

75 Jahr Jubiläum TV Staad 1981

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Sonntag
5.September 2010
10:13

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