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Geschichte Staad

Turnbewegung in der Schweiz

Um die Entwicklung der Turnbewegung in der Schweiz verstehen zu können, muss über die verschiedenen Sportmodelle in England ("sports") und Deutschland (Turnen) ausgeholt werden:


"Sports" in England

Es ist kein Zufall, dass der moderne, rationalisierte Sport Mitte des 19. Jahrhunderts in England entstanden ist. Die Verweltlichung der Gesellschaft, effizienzorientierte, arbeitsteilige Organisationsformen und individuelle Leistungsorientierungen waren im Mutterland der industriellen Revolution zu diesem Zeitpunkt bereits weit entwickelt und warteten darauf, auch ausserhalb der Arbeitswelt ihren Ausdruck zu finden. Die ersten Ansätze, die traditionellen Volksspiele stärker zu formalisieren, entstanden in Eliteschulen wie Eton und Rugby. Sportliche Aktivitäten sollten nicht mehr einfach dem gefährlichen, weil ungeregelten Herumtollen der Zöglinge, sondern vielmehr höheren Erziehungszielen wie der Disziplinierung, dem kontrollierten Aggressionsabbau, dem Erlernen von Führungsqualitäten und kooperativen Verhaltensweisen dienen. "Gentlemanly behaviour" und "Fair Play" waren die Schlüsselbegriffe zivilisierter Bewegungsformen, die auch ausserhalb des Sports Bedeutung erlangen sollten.

Ausgehend von den englischen Privatschulen verbreiteten sich die immer stärker reglementierten Sportspiele wie Rugby und Fussball rasch in der breiten Bevölkerung. Unterstützt wurde dieser Prozess von Erziehern, Unternehmern und fortschrittlichen Geistlichen, die den Sport als sinnvolle und kontrollierte Freizeitaktivität sowie als Lehrfeld für das "richtige" Leben propagierten. In England wurde eine grosse Zahl von heute noch existierenden Fussballklubs, von den sogenannten "Muskelchristen" gegründet, die darin eine Möglichkeit zur stärkeren Anbindung junger Männer an die Gemeinde sahen. Die zunehmende Popularität des Sports in der breiten Bevölkerung führte aber auch zu Konflikten und Spannungen. In dem Masse wie Fussball zum Spiel der Arbeiter wurde, wandte sich die Elite-Schulen wieder vermehrt den typischen Oberschichtssportarten Tennis, Cricket, Polo, Golf, Rudern und Pferderennen zu, die teilweise bereits im 18. Jahrhundert vom vornehmen englischen "sportsmen" oder "gentlemen" als Freizeitvergnügen und ritualisierte Status-Wette gepflegt wurden. Damit die Eliten ihre Vormachtstellung im Sport halten konnten, wurde zudem die Amateurregel eingeführt: Über das Verbot des Geldverdienens sollte die Arbeiterschaft a priori von den Wettkämpfen ausgeschlossen werden. In der Amateurregel überlebte so ein Stück mittelalterlichen Standesbewusstseins.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann das englische Sportmodell auf den europäischen Kontinent auszustrahlen, wo es insbesondere im deutschsprachigen Raum auf erbitterten Widerstand der Turnvereine stiess, die sich hier ebenfalls als Vorreiter einer neuen, rationalisierten Form der körperlichen Bewegung etabliert hatten.


Turnen in Deutschland

Nach dem Ausbruch der französischen Revolution 1789 breitete sich das revolutionäre, aufgeklärte Gedankengut über weite Teile Europas aus, nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit der napoleonischen Expansion. Als Gegenbewegung entwickelte sich in Europa eine Welle nationalen Denkens mit einer bewussten Rückbesinnung auf die eigene Vergangenheit und Grösse.

Eine wesentliche Bedeutung innerhalb dieser nationalen Besinnung kam Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) in Berlin zu. Er knüpfte an den Vorstellungen eines freien, selbstbewussten Bürgers an und bemühte sich um eine "wahre Volkserziehung", die ein Gleichmass von Leib und Seele beinhaltete: "Die Turnkunst soll die verloren gegangene Gleichmässigkeit der menschlichen Bildung wieder herstellen, der bloss einseitigen Vergeistigung die wahre Leibhaftigkeit zuordnen, der Überfeinerung in der wieder gewonnenen Männlichkeit das notwendige Gegengewicht geben, und im jugendlichen Zusammenleben den ganzen Menschen umfassen und ergreifen."

Auf der Grundlage dieser "wahren Volkserziehung" sollte Preussen vom Joch der Fremdherrschaft befreit werden. Dazu eröffnete Jahn 1811 vor den Toren Berlins einen Turnplatz, die Hasenheide. Aus dem anfänglichen wilden Tummeln und Spielen von Schülern und Studenten der Region entwickelte sich unter Jahns Anleitung allmählich ein geregelter Turnbetrieb an verschiedenen fest installierten Geräten. Das Jahnsche Turnprogramm war recht vielseitig, es umfasste:

  • natürliche Bewegungsformen (Gehen, Laufen, Springen, Klettern, Werfen, etc.)
  • Turnen an und mit verschiedenen Geräten (Jahn entwickelte eigenständig Reck und Barren)
  • Turnspiele in freier Natur (vgl. unsere kleinen Spiele, Turnfahrten, Ausmärsche).

Bemerkenswert waren weniger die Inhalte als vielmehr Geist und Organisationsform des Turnens. Jahn verabscheute jede "Schulsteifheit" und wollte einen "Tummelplatz leiblicher Kräfte" schaffen. Zeigen, vormachen, unterweisen, selbst versuchen, üben, wetteifern und weiterlehren bildeten die Grundlagen seiner Pädagogik. Der Vorturner stellte keine distanzierte Autoritätsperson sondern einen kameradschaftlichen Freund dar. Zugleich ging Jahn von einer hohen sittlichen Norm aus, die seine Turner beseelen sollte: "frisch, frei, fromm, fröhlich"!
In Anlehnung an die égalité der französischen Revolution lehnte Jahn jede standesmässige Unterscheidung ab: alle Turner trugen eine einheitliche, grau-leinene Turntracht und pflegten untereinander die Anrede mit "du". Die einzelnen Turngruppen waren als Riegen nach Alter respektive Könnensstufe zusammengestellt. Träger des Turnbetriebs war in Jahns Konzept nicht die Schule sondern der Verein.

Der Jahnsche Turnbetrieb war sehr stark auf das politische Ziel, die Befreiung von der Fremdherrschaft Napoleons ausgerichtet und demonstrierte dies auch symbolhaft mit besonderen Ritualen (Turnmarke, öffentliche Schauturnen mit Signalfeuern, patriotische Gesänge, Fackelzug, Eichenlaub-geschmückte Hasenheide, etc.).

Die konkrete Umsetzung der patriotischen Ziele erfolgte bereits zwei Jahre nach der Eröffnung der Hasenheide. 1813 nahmen zahlreiche Turner im Lützowschen Freicorps erfolgreich am Befreiungskampf gegen Napoleon teil. 1814-16 stand die Jahnsche Turnbewegung auf dem Höhepunkt ihrer Bedeutung: Jahn erhielt eine preussische Leibrente ausbezahlt, Schauturnen fanden vor mehreren tausend Zuschauern unter Beisein des Kronprinzen statt, zahlreiche Turnplätze wurden in ganz Deutschland nach dem Vorbild der Hasenheide gegründet. Auf zahlreichen Turnfahrten unterstützte Jahn den Bau von Turnplätzen mit nützlichen Hinweisen.

Bereits ab 1814/15 (Zeit des Wiener Kongresses, unter Führung von Fürst Metternich) geriet die Turnbewegung allerdings in die Kritik. Die Turnbewegung und die ebenfalls von Jahn ins Leben gerufene Bewegung der deutschen Burschenschaften entwickelten sich zunehmend zu einer politischen Provokation für die regierenden Kreise. Studenten und Turner forderten als Teil einer deutschen Jugendbewegung endlich die Schaffung eines nationalen, deutschen Einheitsstaates. Jahn widersetzte sich energisch dem Versuch des preussischen Staats, die Turnbewegung in die Schulen zu führen und damit seinem Einflussbereich zu entziehen. Dabei ging Jahn nicht ausgesprochen zimperlich vor. Eckte als Nonkonformist und Bürgerschreck bei den Mächtigen an, argumentierte polemisch, mitunter auch ausfällig.
Die Situation eskalierte 1819, als der Turner und Burschenschafter K.L. Sand den russischen Staatsrat und Schriftsteller August von Kotzebue (als Symbol des verhassten restaurativen Obrigkeitsstaats) ermordete. Nun reagierten die preussische Regierung und der österreichische Kanzler Metternich mit aller Macht: in den sogenannten "Karlsbader Beschlüssen" wurden die Burschenschaften verboten, Berufsverbote für unangepasste Studenten und Professoren ausgesprochen und ab 2.1.1820 das gesamte Turnen verboten (Turnsperre). Jahn wurde verhaftete und unter Arrest gestellt. Viele Anhänger Jahns flohen ins Ausland (u.a. auch in die Schweiz und USA), wo sie das Turnen weiterhin pflegen konnten. Die Turnsperre wurde erst 1842 wieder aufgehoben. In der Zwischenzeit hatte sich die offiziell verbotene Turnbewegung in geschlossenen Kellerlokalen erhalten, jedoch viel von ihrem Schwung eingebüsst. Das Turnen hatte sich angesichts der einengenden Raumverhältnisse stark formalisiert, war zu gekünstelter Akrobatik geworden.


Die Entwicklung der Turnbewegung in der Schweiz

Als das Jahnsche Turnen nach 1811 in Preussen aufkam, existierten auch in der Schweiz nur vereinzelte Einrichtungen für die Körpererziehung. Am bekanntesten war noch der Turnbetrieb, der von P.H. Clias (1782-1854) in Bern aufgezogen wurde. Bereits vor 1820 und verstärkt mit dem Beginn der Turnsperre in Deutschland kam auch das Jahnsche Turnen auf verschiedenen Wegen in die Schweiz. Zum einen existierte um 1800 zwischen der Schweiz und deutschen Staaten ein reger Bildungsaustausch, bedingt durch einen Mangel an Hochschulen in der Schweiz. Basel besass zwar seit 1460 eine Universität, doch hatte sie ihren guten Ruf aus der Humanistenzeit längst eingebüsst. So besuchte eine Mehrzahl der Schweizer Studenten deutsche Universitäten, wo sie mit der Jahnschen Turnbewegung in Berührung kamen und diese nach Abschluss ihrer Studien in die Schweiz zurückbrachten. Zum andern flüchteten nach 1820 zahlreiche Jahnsche Turner vor der Repression des preussischen Staats ins Ausland; verschiedene Turner erhielten in der Schweiz politisches Asyl - trotz massiver Drohungen des preussischen Königs - andere flüchteten in die USA. Diese Turner übernahmen sehr bald in den einzelnen Turnvereinigungen den Übungsbetrieb und richteten Turnplätze nach dem Jahnschen Vorbild ein. Mit dieser Ausbreitung des Jahnschen Turnbetriebs verschwanden zugleich die Clias'schen Geräte von den Turnplätzen.

Die ursprüngliche Träger der Turnbewegung rekrutierten sich auch in der Schweiz aus der Studentenschaft. 1819 wurde in Zofingen die Studentenvereinigung "Zofingia" gegründet. Ein Artikel in den Gründungsstatuten besagte:

"Der Zofinger-Verein knüpft zwischen den Studierenden der verschiedenen Teile der Schweiz Bande der Freundschaft und Verbrüderung zur Begründung eines nationalen Sinnes und zur Erwerbung der Tugenden und Kenntnisse, deren sie wegen ihres Zweckes bedürfen."

Um diese Ziele zu erreichen, widmeten sich die Studenten anlässlich ihrer Zusammenkünfte vormittags geistigen Fragen, während der Nachmittag der körperlichen Ertüchtigung - eben dem Turnen - vorbehalten blieb. Sehr bald wurde das Turnen von zahlreichen Studenten vernachlässigt, was dazu führte, dass bereits in den 1820er Jahren Bürgersöhnen der Zutritt zu den Turnübungen gestattet wurde.

Turnfahrten und die gemeinsame Abhaltung von Turnfesten sollten nicht nur der Förderung des Turnens dienen, sondern auch den Gedanken der nationalen Einheit fördern. Je mehr sich der Turngedanke von seinen studentischen Ursprüngen entfernte, umso stärker wurde das Bedürfnis, die einzelnen Turngemeinden an regelmässig veranstalteten Turnfesten zusammenzuführen. Daraus entstand 1832 die Gründung des Eidgenössischen Turnvereins in Aarau, der sich in seinen Statuten (1834) zum Ziel setzte:

"Der Zweck des eidgenössischen Turnvereins ist die Einigung der gesamten schweizerischen Turnerschaft durch Freundschaft und vaterländische Gesinnung zu gegenseitiger Anregung und Unterstützung; die Sammlung und Organisation der schweizerischen Turner und Turnfreunde zur Einwirkung auf eine nationale, Geist und Körper harmonisch entwickelnde Erziehung der schweizerischen Jugend; die Pflege und Veredlung der Turnkunst und der nationalen Kampfspiele und deren Verbreitung unter dem Schweizervolke."

Massgebliches Bindeglied der wachsenden Zahl von Turngemeinden in der ganzen Schweiz waren die jährlich durchgeführten gesamtschweizerischen Turnfeste. Mit dem organisatorischen Aufbau von Kantonalturnverbänden wurde 1874 ein zweijähriger Festturnus eingeführt, 1888 ein dreijähriger und schliesslich 1932 der vierjährige Turnus.

1846 wurde ein Sechskampf gebildet, bestehend aus: Freiübungen, Wettlaufen, Springen sowie Übungen an Pferd, Barren und Reck. 1855 wurden Schwingen, Ringen, Steinstossen und Steinheben als 'Nationalturnen' zu einem selbständigen Wettkampf zusammengefasst. Um nicht nur einige, ausgewählte Spezialisten an den Festen zusammenzuführen, wurden 1859 erstmals sogenannte 'Gemeinübungen' vorgeführt, was 1861 zur Schaffung des 'Sektionsturnens' führte. Anfang der 1880er Jahre wurden schliesslich die ‚allgemeinen Übungen' eingeführt, die noch heute ein eindrückliches Bild der Turnfertigkeit vermitteln. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts öffnete sich der Eidgenössische Turnverein sachte auch gegenüber der Sportbewegung. Etwa zur gleichen Zeit erfolgten auch verschiedene Gründungen von ‚Damenturngesellschaften'; 1908 wurde als Dachorganisation die ‚Schweizerische Damenturnvereinigung' gegründet, 1932 die ersten Frauenturntage in Aarau durchgeführt. 1984 schloss sich der Schweizerische Frauenturnverband mit dem Eidgenössischen Turnverein zum Schweizerischen Turnverband (STV) zusammen.

Die Turnbewegung bildete in der Schweiz des 19. Jahrhunderts nicht nur die massgebliche Form der körperlichen Ertüchtigung; sie spielte daneben ganz wesentlich auch eine (sozial-)politische Rolle. Die Turnvereine erfüllten - gleich wie z. B. die Schützen-, Trachten-, Jodel- und Musikvereinen - eine wesentliche soziale Funktion als Orte der (freiwilligen) Begegnung, der Geselligkeit, der Freizeit und der Festkultur. Und gerade an solchen Festen kam dann auch die politische Seite zum Durchbruch: hier wurden patriotische Gefühle und Rituale gepflegt, das Nationalbewusstsein beschworen, Wehrwille und Wehrkraft gefördert. Die Turnfeste bildeten ein massgebliches Medium jener Zeit, um demokratische Spielregeln einzuüben und die liberale Staatsidee zu verbreiten. Der Turnbewegung kam ein wesentliches Verdienst im Hinblick auf den Durchbruch des schweizerischen Nationalstaats von 1848 zu.

Diese Bedeutung ist umso erstaunlicher, als die Turnbewegung in Deutschland bis 1842 bzw. 1848 politisch unterdrückt blieb. Wohl gab es auch in der Schweiz Kritik an der Turnbewegung, so etwa aus dem restaurativen Zeitgeist heraus, oder auch aus gesellschaftlich begründeter Entrüstung, wenn etwa

"der Pfarrer am Sonntag predigt und tags darauf auf dem Kopfe steht und andere Gaukeleien ausführt"...

Es ist bis heute nicht ganz geklärt, warum sich nicht auch in der Schweiz das Turnen dem Druck der restaurativen Kräfte beugen musste. Zum einen dürfte von Bedeutung gewesen sein, dass sich die Turnbewegung in der Schweiz schon sehr früh mit der Bewegungskultur der alpinen Bevölkerung verbunden hat; die Spiele der Älpler - Schwingen, Fahnenschwingen, Steinstossen und Steinheben - wurden schon von Beginn an ins Programm der Turnfeste integriert, wie ein Blick auf die frühen Turnfestkarten belegt. Diese Verbindung dürfte von Anfang an die schweizerische Turnbewegung in die Nähe staatstragender Überzeugungen gerückt haben. Zum andern fand die Turnbewegung ab 1830 in der wachsenden Zahl liberaler Kantone einen selbstverständlichen Schutz.



Chronologie des Sports in der Schweiz

Vor 1820:
Verschieden Arten von Volksspielen sind weit verbreitet. Als älteste Form von „Sportvereinen“ finden sich zahlreiche Kadetten- und Schützenvereine, deren Vorläuferorganisationen bereits im Spätmittelalter als Fortsetzung der ritterlichen Turniertradition entstanden. Mit der Gründung des Schweizerischen Schützenvereins 1824 wird der erste Dachverband des Schweizer Sports aus der Taufe gehoben.

Jean Jacques Rousseau (1712-1778) und Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) entwickeln grundlegende Gedanken über die Rolle von Körper und Bewegung in der menschlichen Entwicklung, die für die spätere Sportpädagogik wegweisend werden.

1820-1850:
Die von Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) begründete (Deutsche) Turnbewegung breitet sich mehr und mehr auch in der Schweiz aus. Der erste Schweizer Turnverein – die studentische Zofingia – wird 1819 gegründet. Der akademische Turnverein Zürich folgt ein Jahr später. 1832 wird der Eidgenössische Turnverein (ETV) gegründet. Die Gründung des Schweizerischen Frauen-Turn-Verbandes (SFTV) erfolgt erst 1908. 1984 schliessen sich ETV und SFTV zum Schweizerischen Turnverband (STV) zusammen.

1858:
Der Schweizerische Turnlehrerverein (STLV; ab 1980: Schweizerischer Verband für Sport in der Schule SVSS) wird gegründet. Zweck der Vereinsgründung ist die Verbesserung des Schulturnens und die Förderung der Turnlehrerausbildung. Bereits 1840 legte Adolf Spiess (1810-1858) ein erstes Schulturnbuch vor. 1876 veröffentlicht Johannes Niggeler (1816-1887) das erste offizielle Lehrmittel für den Schulunterricht.

1863:
Ab Mitte des Jahrhunderts entsteht der Alpinismus und führt zur Gründung des Schweizerischen Alpenclubs (SAC).

1874:
Gründung der Eidgenössischen Turnkommission (ETK, ab 1930 Eidg. Turn- und Sportkommission ETSK; seit 1989 Eidg. Sportkommission ESK).

Im Rahmen der Totalrevision der Bundesverfassung wird zudem das Schulturnen für Knaben zum obligatorischen Schulfach erklärt und ein obligatorischer Vorunterricht geschaffen. Im Zentrum des stark militärisch geprägten Turnunterrichts stehen Ordnungsübungen, Bewegungsschulung sowie Hang- und Stemmübungen an verschiedenen Geräten.

Etwa ab 1880 beginnt sich die moderne Spiel-, Sport- und Wanderbewegung in der Schweiz auszubreiten. Obwohl der „Schweizer Turnvater“ und erste ETK-Präsident Johann Niggeler (1816-1887) bereits 1885 für ein gemeinsames Nebeneinander von Turnen und Spiel plädiert, prägt die Konkurrenz von „deutschem Turnen“ und „englischem Sport“ noch jahrzehntelang die schweizerische Sportpolitik.

1879:
Mit dem FC St. Gallen wird der erste Fussballclub der Schweiz gegründet. Die Gründung des Schweizerischen Fussballverbandes erfolgt 1895. Das erste Fussball-Länderspiel wird 1904 ausgetragen. Unter allen Sportspielen ist Fussball als „Hemmungsspiel für die oberen Extremitäten“ in der Turnbewegung besonders verpönt.

Ab 1883:
Gründung des Radfahrer- und Motorfahrerbundes. Ion den nächsten 25 Jahren werden verschiedene andere Schweizer Sportverbände gegründet, so zum Beispiel der Ruderverband 1886, der Schwingerverband 1895, der Tennisverband 1896, der Golf-Verband 1898, der Pferdesportverband 1900, der Aero-Club 1901, der Hornusserverband 1902, der Bobverband 1903 und der Eishockeyverband 1908.

1893:
In Glarus wird der erste Skiclub gegründet. 11 Jahre später kommt es zur Gründung des Schweizerischen Skiverbandes. Das Lauberhornrennen findet erstmals 1930 statt; 1931 finden in Mürren die ersten vom internationalen Skiverband FIS anerkannten alpinen Skiweltmeisterschaften statt.

1896:
An den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen nimmt mit dem Turner Louis Zutter nur ein einziger Schweizer teil, der gleich einmal Gold und zweimal Silber gewinnt. Die Teilnahme geschieht auf eigenen Initiative und ohne Rücksprache mit dem Eidgenössischen Turnverband.

1907:
Gesetzesrevision: Das nachschulische Turnen – der (militärische) Vorunterricht – wird als freiwillig erklärt und dem Turnverband sowie den Sportverbänden übertragen. Der 1874 beschlossene obligatorische Vorunterricht war ohnehin nur in wenigen Kantonen realisiert worden.

1912:
An den in Stockholm stattfindenden Olympischen Spielen nimmt wiederum nur ein einziger Schweizer Athlet teil, der sich direkt beim schwedischen Olympischen Komitee meldet. Um zukünftig eine regelmässige Teilnahme und eine koordinierte Selektion zu ermöglichen, wird im Anschluss an die Spiele das Schweizerische Olympische Komitee (SOC) gegründet. Die Zusammenarbeit zwischen dem Schweizerischen Olympischen Komitee und der ausschliesslich aus Turnvertretern zusammengesetzten Eidgenössischen Turnkommission erweist sich zunächst jedoch als schwierig.

1922:
Mit der Gründung des Schweizerischen Verbandes für Leibesübung (SLL; ab 1978: Schweizerischer Landesverband für Sport: SLS) sollen die Rivalitäten zwischen den Turnverbänden und den Sportverbänden überwunden werden. Dem SLL fehlt aber bis zum Zweiten Weltkrieg die nötig Akzeptanz, um die verschiedenen Positionen zusammenzuführen.

1928:
Zum zweiten Mal finden Olympische Winterspiele statt. Austragungsort ist St. Moritz, wo 1948 zum zweiten (und vorläufig letzten) Mal Olympische Spiele in der Schweiz ausgetragen werden. 1933 startet in Zürich erstmals die Tour de Suisse.

1938:
In Basel wird die Schweizerische Sport-Toto-Gesellschaft gegründet. Die Erträge der nach schwedischem Vorbild durchgeführten Sportwetten ermöglichen dem privat-rechtlichen Sport mehr finanzielle Unabhängigkeit und tragen wesentlich zur wachsenden sportpolitischen Bedeutung des SLL bei.

1940:
Die Einführung eines obligatorischen militärischen Vorunterrichts wird in einer Volksabstimmung überraschend abgelehnt.

1944:
Der Bundesrat beschliesst die Schaffung der Eidgenössischen Turn- und Sportschule in Magglingen (ETSM; ab 1989: Eidgenössische Sportschule Magglingen ESSM). Bereits Ende des 19. Jahrhunderts tauchte die Idee auf, eine vollamtliche Bundesstelle zur Administration und Ausbildung in Turnen und Sport zu schaffen. Erst die Bedrohungslage im Zweiten Weltkrieg ermöglicht die Umsetzung dieser Idee. 1998 wird das „de facto-Bundesamt für Sport“ zu einem „de jure-Bundesamt für Sport“ (BASPO).

1945-1965:
Zahlreiche Sportverbände werden gegründet, so zum Beispiel der Badmintonverband (1952), der Tanzsportverband (1954), der Volleyballverband (1958), Der Unterwassersportverband (1960) oder der Verband für Behindertensport (1960).

Ab 1960:
Nachdem bei der staatlichen Förderung von Turnen und Sport zunächst militärische und pädagogische Ziele im Vordergrund standen, entwickelt sich der Gesundheitsaspekt mehr und mehr zum zentralen Anliegen.

1966:
Nachdem das Schweizer Olympiateam 1964 in Innsbruck keine einzige Medaille gewonnen hat, wird das Nationale Komitee für Elitesport (NKES) gegründet. Die Anstrengungen im Bereich Spitzensport tragen bereits 1972 Früchte: Die Schweiz gewinnt an den 11. Olympischen Winterspielen in Sapporo fünf Goldmedaillen.

1970:
SLL und SOC gründen die Stiftung Schweizer Sporthilfe, welche unabhängig von der öffentlichen Hand Elite- und Nachwuchssportler finanziell unterstützt.

1970/72:
Der Bundesbeschluss über die Ergänzung der Bundesverfassung durch den Artikel 27 betreffend der Förderung von Turnen und Sport wird vom Volk mit grossem Mehr angenommen. Das 1972 in Kraft getretene Bundsgesetz über die Förderung von Turnen und Sport beinhaltet ein Obligatorium des Turn- und Sportunterrichts an allen Volks-, Mittel- und Berufsschulen für Knaben und Mädchen. Es regelt zudem die Bundsbeiträge an den SLL und den Bau von Sportanlagen sowie die Förderung der sportwissenschaftlichen Forschung und gibt die Rahmenordnung der Eidgenössischen Turn- und Sportschule Magglingen (ETSM), der Eidgenössischen Turn- und Sportkommission (ETSK) und der Turnlehrer-Ausbildung vor. Ferner wird die Umwandlung des Vorunterrichtes in die Institution „Jugend&Sport“ verfügt. „Jugend&Sport“ wird zum zentralen Instrument der ausserschulischen Jugendsportförderung und umfasst heute 40 verschiedene Sportfächer.

1980:
Auch zwischen 1980 und 1990 werden verschiedene Sportverbände gegründet: 1981 Baseball, 1982 American Football, 1985 Unihockey, 1985 Triathlon, 1987 Snowboard.

1984:
Die Zuständigkeit für den öffentlich-rechtlichen Sport (inkl. ETSK und ETS) wechselt vom Eidg. Militärdepartement (EMD) zum Eidg. Departement des Innern (EDI).

1997:
Der Schweizerische Landesverband für Sport und das Schweizerische Olympische Komitee schliessen sich zum Schweizerischen Olympischen Verband (SOV) zusammen. 2001 wird der SOV in Swiss Olympic Association (SOA) umbenannt.

1998:
Der “Sport” wird zurück ins Eidgenössische Militärdepartement transferiert, das sich neu „Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport“(VBS) nennt.

Die oben aufgeführten Angaben stammen aus folgenden Quellen:
"Sportgeschichte"; Script zur Vorleseung von Lutz Eichenberger; 2000
"Sport zwischen Kultur, Kult und Kommerz"; Lamprecht/Stamm; Seismo-Verlag; 2002

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Sonntag
5.September 2010
10:17

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